Bidirektionales Laden: die Zukunft der E-Mobilität einfach erklärt
26.06.2024
Das Wichtigste in Kürze:
Definition: Bidirektionales Laden ermöglicht es Elektroautos, nicht nur Strom zu tanken, sondern auch als mobile Energiequelle zu dienen.
Einsatzmöglichkeiten: Es bestehen verschiedene Nutzungsmöglichkeiten. Etwa die Nutzung des in der E-Auto-Batterie gespeicherten Stroms für das Hausnetz oder die Rückspeisung von Energie ins allgemeine Stromnetz, um Spitzenlasten zu dämpfen.
Herausforderungen: Kompatibilität zwischen Gleichstrom (E-Autos) und Wechselstrom (Stromnetz). Der Bedarf an spezialisierten Ladestationen und geeigneten Elektrofahrzeugen.
Aktueller Stand: Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind in der Schweiz noch unklar, es gibt aber positive Entwicklungen durch neue gesetzliche Anpassungen und vielversprechende Ergebnisse aus Pilotprojekten.
Der Begriff klingt etwas sperrig, die Idee dahinter ist jedoch genial: «Bidirektionales Laden» beschreibt die Fähigkeit eines Elektrofahrzeugs, nicht nur Strom zu tanken, sondern die überschüssige/ungenutzte Energie auch zu speichern und wieder in ein Stromnetz einzuspeisen. Während die Technologie in anderen Ländern bereits fortgeschritten ist, steckt das bidirektionale Laden in der Schweiz noch in Kinderschuhen. In den folgenden fünf Punkten erfährst du, worum es beim bidirektionalen Laden geht – und welche Hürden es in der Schweiz diesbezüglich noch gibt.
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2. Wo kommt bidirektionales Laden zum Einsatz?
Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie bidirektional ladefähige E-Autos in der Praxis verwendet werden können:
Vehicle-to-Home (V2H): Bidirektionales Laden ermöglicht es, den im Auto gespeicherten Strom für die Versorgung des Hausnetzes zu nutzen. Das Elektroauto lädt dann die hauseigene Fotovoltaikanlage auf – dieselbe Anlage, die zuvor bei Sonnenschein das Auto mit Strom versorgt hat. So entsteht ein nachhaltiger Kreislauf.
Vehicle-to-Grid (V2G): Es ist auch möglich, die Energie aus dem Auto in das allgemeine Stromnetz zurückzuspeisen. So könnten Stromspitzen geglättet werden. Wenn das Elektroauto zu Randzeiten geladen wird, kann die gespeicherte Energie zu Spitzenzeiten ins Netz eingespeist werden, um dieses zu entlasten.
Vehicle-to-Building (V2B): Der im Auto gespeicherte Strom kann auch zur Versorgung eines Gebäudes genutzt werden. Das Elektroauto kann Bürogebäude, Schulen oder andere kommerzielle Gebäude mit Energie versorgen und so helfen, Energiekosten zu senken und die Nutzung erneuerbarer Energien zu maximieren.
Vehicle-to-Everything (V2X): Diese Technologie ermöglicht es, den im Elektroauto gespeicherten Strom mit verschiedenen Endgeräten und Infrastrukturen zu teilen. Dazu gehören nicht nur Haushalte und das Stromnetz, sondern auch andere Fahrzeuge, Geräte und öffentliche Einrichtungen. V2X steht für eine umfassende Vernetzung und Nutzung von Energiequellen zur Verbesserung der Effizienz und Stabilität des gesamten Energiesystems.
Vehicle-to-Load (V2L): Bidirektionales Laden ermöglicht es, den im Auto gespeicherten Strom für den direkten Betrieb von elektrischen Geräten und Maschinen zu nutzen. Das Elektroauto fungiert dabei als mobile Stromquelle für Werkzeuge, Haushaltsgeräte oder eine Campingausrüstung.
Ein weiteres Argument für bidirektionales Laden ist die Tatsache, dass Privatautos im Durchschnitt bis zu 23 Stunden am Tag ungenutzt herumstehen. Genau in dieser Zeit könnten sie Strom ins Netz zurückspeisen. Dazu muss die bidirektionale Ladestation beim lokalen Netzbetreiber lediglich als «einfache» Ladestation angemeldet werden.
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4. Wie steht es um die gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen?
Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen sind nicht eindeutig. In der Schweiz gibt es kein Gesetz, das das bidirektionale Laden verbietet. Vielmehr wird es dem eingangs erwähnten stationären Batteriebetrieb gleichgestellt.
Komplexer wird es bei der Einbindung des Elektroautos in das allgemeine Stromnetz. Damit dies nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll umsetzbar ist, sind Anpassungen des Stromgesetzes auf nationaler Ebene notwendig. Ein wichtiger Schritt dazu ist das Abstimmungsergebnis vom 9. Juni 2024 zum Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien. Dank des positiven Entscheides der Schweizer Stimmbevölkerung sind neu lokale Zusammenschlüsse über das einzelne Haus hinaus möglich, im Fachjargon Zusammenschluss zum Eigenverbrauch von Solarstrom kurz ZEV genannt. E-Autos werden in diesem Mantelerlass zwar nicht explizit genannt, doch es wurden damit wichtige Weichen gestellt.
5. Was unternimmt Mobility, um die neue Ladetechnologie zu fördern?
Das Potenzial des bidirektionalen Ladens liegt auf der Hand – insbesondere für Mobility. Bis 2030 werden alle unsere 3000 Fahrzeuge elektrisch angetrieben. Elektromobilität erhöht jedoch den Strombedarf und stellt die Netzstabilität vor Herausforderungen. Genau hier könnte das bidirektionale Laden ein Trumpf darstellen. Im Verbund kann eine solche Flotte von Fahrzeugen ein virtuelles Kraftwerk bilden, das im Bedarfsfall zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen kann.
Mobility hat deshalb unlängst sein zweijähriges Pilotprojekt zum bidirektionalen Laden erfolgreich abgeschlossen. Zwischen September 2022 und März 2024 waren 50 «Honda e» an 40 Mobility-Standorten in der ganzen Schweiz im Einsatz. Unter anderem wurde der Strom aus den Fahrzeugen drei verschiedenen Abnehmern angeboten. Die Ergebnisse des Pilotversuchs werden derzeit ausgewertet. Klar ist jedoch schon jetzt: Die Technik funktioniert – aber bis sie breit genutzt werden kann, wartet noch viel Arbeit auf die Schweiz.